
Mein Schreiben widmet sich der zweiten Lebenshälfte und den späteren Phasen des Seins. Mich faszinieren Geschichten von Figuren, die auf ein langes Leben zurückblicken, die im hohen Alter noch einmal vor tiefgreifenden Veränderungen stehen oder vermeintliche Gewissheiten neu verhandeln müssen. In meinen Texten betrachte ich die Welt aus dieser reifen Perspektive – mit all ihren Freiheiten, der Weisheit, aber auch den ganz eigenen Herausforderungen, die das fortgeschrittene Alter mit sich bringt.

Während die literarische Welt voll von Erzählungen über das Aufbrechen in jungen Jahren ist, fasziniert mich die Dynamik, die viel später stattfindet. Das Leben in der zweiten Hälfte und im hohen Alter bringt eine ganz eigene, stille Kraft mit sich. Es ist die Zeit, in der man nichts mehr beweisen muss, in der Autonomie oft noch einmal völlig neu definiert wird und das Wesentliche in den Vordergrund rückt. Ich schreibe für und über Menschen, die den Mut haben, bis ins hohe Alter genau hinzusehen und sich den Fragen des Lebens zu stellen.

Eine anspruchsvolle Geschichte entsteht aus präzisem handwerklichem Schaffen und dem Mut, komplexe menschliche Strukturen zu durchdenken. Für mich bedeutet Schreiben, gesellschaftliche Fassaden Schicht für Schicht abzutragen und psychologische Dynamiken auszuleuchten. In diesem Bereich teile ich meine Werkstattberichte, literarischen Reflexionen und Gedanken darüber, wie man die vielschichtige Realität und die tiefe Psychologie des Älterwerdens in eine dichte, ehrliche narrative Form gießt.

Die glatten, makellosen Oberflächen des Alltags interessieren mich als Autorin nicht. Literatur beginnt für mich dort, wo der Putz bröckelt, wo Biografien Risse bekommen und das Dahinter sichtbar wird. Gerade nach einem langen Leben sind es oft die Brüche und Narben, die eine Persönlichkeit erst interessant und vielschichtig machen. Mein Anspruch ist es, den unbequemen Fragen nicht auszuweichen und nach den Wahrheiten zu suchen, die im Verschwiegenen, im Unperfekten und im Laufe eines langen Lebens verborgen liegen.
»Diese Dreifaltigkeit aus Grauen, Geilheit und Gebäck war nicht zu ertragen.«
Matilde Hoffmann
»Eine bessere Hilfe als mich können Sie lange suchen. Darauf können Sie wetten. Ich bin Schneiderin. Und das da ist eine meiner leichtesten Übungen.«
Matilde Hoffmann
Dreißig Jahre lang waren die Rollen klar verteilt: Tom sicherte die Existenz, Matilde hielt die Familie zusammen. Während sie in der Stille ihrer Ehe einsam wurde, erstarrte er unter der Last seiner Verantwortung.
Matilde wagt den Ausbruch. In München und Zürich sucht sie das Leben, das sie als Schneiderin führen will – auf eigenen Beinen, nach eigenen Entwürfen. Doch zur Unabhängigkeit gehört eine finanzielle Basis. Ohne eigenes Einkommen prallt sie auf die harte Realität der Gegenwart.
Inmitten ihrer Versuche, sich neu zu erfinden, wird Tom durch einen Schicksalsschlag zum Pflegefall. Matilde kehrt zurück. Es beginnt ihr schwerster Kampf:
Wie findet man zu sich selbst, wenn der Mensch, von dem man sich lösen wollte, plötzlich die eigene Hilfe braucht? Ein Roman über die Fesseln von Rollenbildern und die Frage, was wir einander am Ende wirklich schulden.